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Aktionstag für Vielfalt am Weltflüchtlingstag

Rückblick:
Mit Begegnung. Mit Haltung. Mit Herz – 2. Aktionstag für Vielfalt am Weltflüchtlingstag in Jüterbog
„Wann macht ihr das wieder?“ so riefen die Kinder im Flüchtlingsheim am Montag nach dem Aktionstag auf dem Jüterboger Marktplatz und zeigten auf das Veranstaltungsplakat. „Das war so cool!“
Kühl war es ganz gewiss nicht, sondern mit 34°C ziemlich heiß. Aber das hinderte Menschen aus Jüterbog und Umgebung und manche auch aus Potsdam und Berlin nicht, zum zweiten Mal einen „Aktionstag für Vielfalt“ im Zentrum von Jüterbog zu erleben. Ehrenamtliche von „Gemeinsam in Jüterbog“ und dem „Aktionsbündnis Jüterbog“ hatten gemeinsam mit der Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragten des Landkreises Teltow-Fläming zu dieser 6-stündigen Veranstaltung am diesjährigen Weltflüchtlingstag eingeladen. Dass Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, mit und ohne Beeinträchtigung, junge und alte Leute und viele Kinder gemeinsam an Tischen sitzen, Musik hören oder danach tanzen, das war die große Hoffnung der Veranstalter. Und sie erfüllte sich. Neben der Unterhaltung und einem reichhaltigen Essensangebot aus fünf verschiedenen Kulturen gab es verschiedenste Angebote, sich mit der Situation von Geflüchteten und dem Zusammenleben in einer Stadt zu beschäftigen. So wurden in einem Pavillon Möbel und Ausstattungsgegenstände aus dem Flüchtlingsheim aufgestellt. Mit einem roten Klebeband wurden die 6m² abgeklebt, die einer Person im Heim zustehen. In einem anderen Pavillon wurde eine ergreifende Fotoausstellung gezeigt: „Manchmal male ich ein Haus für uns – Europas vergessene Kinder, Ängste, Erlebnisse und Träume von Kindern aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos“. Vielen Besucher*innen versagte es nach dem Betrachten dieser Bilder und den Erläuterungen dazu die Sprache, so betroffen waren sie.
Und dann sahen sie neben sich auf dem Marktplatz die fröhlichen Kinder aus Kamerun, Afghanistan oder der Ukraine, die mit ihren Familien in Deutschland Zuflucht fanden, hier in den Kindergarten oder die Schule gehen und deutsche Freundinnen und Freunde haben. Wird es das alles für Menschen, die jetzt aus ihren Ländern fliehen müssen, weil Krieg, Terror oder Verfolgung sie dazu zwingen, nicht mehr geben, wenn die vielen Verschärfungen der GEAS-Verordnungen greifen? Was werden das für Orte sein, diese „Abschiebezentren“ außerhalb der EU, in denen Flüchtlinge unter haftähnlichen Bedingungen leben sollen? Auch Familien mit Kindern. Wie ist das mit den Menschenrechten und der Menschenwürde noch vereinbar? Darüber konnte man z.B. am Stand des Flüchtlingsrates Brandenburg diskutieren.

In einem lauschigen kleinen Garten des Cafés „Die Förste“ gleich am Marktplatz wurde in ein “Erzählcafé“ eingeladen. Hier konnten interessierte Zuhörer*innen zwei moderierte Gesprächsrunden mitverfolgen und sich auch selber ins Gespräch einbringen. Unter der Überschrift „Frau, Leben, Freiheit – Frauen im Exil“ standen eine Afghanin, eine Iranerin und zwei kenianische Frauen der Organisation „Women in exile“ Rede und Antwort über die besonderen Erfahrungen von Frauen mit Fluchtgeschichte. Auch hier gab es sehr bewegende Momente. Lockerer ging es dagegen im Gespräch mit fünf Jugendlichen zu, die als Kinder oder erst vor drei Jahren aus Afghanistan, Syrien, dem Iran oder Irak nach Jüterbog kamen. Da konnte man z.B. erfahren, dass in afghanischen Familien die Kinder oft ihre Eltern siezen. Auf die Frage, was sie hier in Deutschland am meisten vermissen, sagten fast alle: „Oma und Opa“. „Wenn Du einmal ganz viel Geld hättest, was würdest du damit tun?“ Sie würden es den Eltern geben oder an eine Hilfsorganisation in ihrem Heimatland, so antworteten sie.
Viel Aufmerksamkeit und großen Beifall bekamen auch andere junge Menschen, die mit ihrer Band auf der Bühne spielten. Sie gehören zu „KultIN!Koffer“, einer inklusiven Kulturgruppe der Elsterwerkstätten und hatten schon vor einem Jahr das Publikum mitgerissen. Das interkulturelle Bühnenprogramm bereicherte arabische Musik einer syrischen Familie und der Gesang des ukrainischen Frauenchores „Koloryt“ aus Berlin. Mucksmäuschenstill wurde es auf dem Platz, als ein junges ukrainisches Mädchen mit wunderbarer Stimme und voller Kraft förmlich in den Himmel über der Stadt sang: „Dumy, moji dumi“ (Meine Gedanken, meine Gedanken) – ein Lied, das alle Kinder in der Ukraine auswendig lernen und das von dem Vermissen der Heimat handelt. Wer da kein Mitgefühl bekam, muss ein Herz aus Stein haben.
So war es auch wichtig, dass Momente ausgelassener Freude, guter Laune, Bewegungen und Tanz auf dem Aktionstag nicht fehlten und die Menschen zusammenbrachten. Dafür sorgten die Samba-Trommelgruppe „Vida Colorida“, die Tanzschule „Traumtänzer“ mit K-pop, die Band „TangoPlanet“ und das „Miss Victorine Acoustic Duo“.
„Mit Begegnung. Mit Haltung. Mit Herz“ – so lautete das Motto des diesjährigen Aktionstages in Jüterbog. Und genau das war dort zu erleben. Fördergelder der „Partnerschaft für Demokratie, des Bündnisses „Tolerantes Brandenburg“ und des Landkreises Teltow-Fläming machten ihn möglich, aber vor allem auch das enorme Engagement von Ehrenamtlichen aus Jüterbog.

Archiv: Pressemitteilung Landkreis Teltow-Fläming, Mai 2026













